ANLEITUNG EINE STERNSTUNDE ZU ERLEBEN

 

Lexikon des Lebens Sternstunde, die

Die Sternstunde ist ein seltener und daher besonderer Moment im Leben. Ein im positiven Sinne außergewöhnliches Ereignis, mit dem Zweck a) drohendes Unheil zu verhindern bzw. b) einen glücklichen Moment zu verstärken. Die Sternstunde ist ein, vom Universum herbeigeführter, Vorfall, der für Menschen unverhofft zu einem bestimmten Zeitpunkt eintrifft und von ihnen deshalb fälschlicherweise als Zufall bezeichnet wird. Die Sternstunde kann das eigene Leben oder dass der Mitmenschen gravierend verändern und verleiht einem kurzen Zeitabschnitt einen besonderen Glanz.

 

Das Universum ist eine famose Sache. Voll wirbelder Kräfte und Energien, die harmonisch zusammewirken, um Neues zu erschaffen. Die beiden Frauen in meiner Geschichte konnten natürlich nicht ahnen, dass diese universellen Wirbel, wie eine tongewaltige Symphonie auf das Finale zustrebend, auf genau diesen einen Moment, in dem sie sich begegneten, hinwirkten. Und es tat diesem Mysterium keinen Abbruch, dass die Frauen an dem, was geschah ihren Anteil hatten.

 

Lexikon des Lebens Dankbarkeit, die

Eine positive Empfindung und Haltung der Anerkennung einer materiellen bzw. ideellen Zuwendung. Resultiert aus achtsamer spititueller Praxis. Dakbarkeit vermag sich aus einem angenehmen Zustand heraus einzustellen. Wer sich morgens vornimmt für alles dankbar zu sein, was ihm am Tag geschiet, ist abends glücklich. Dankbarkeit entwickelt sich aus dem Gewahrsein der Einzigartigkeit eines jeden erlebten Augenblickes und das Ergebnis ist, was der menschliche Verstand ersehnt: andauerende Freude. Dankbarkeit ist von äußeren Umständen völlig unabhängig, sie kommt aus tiefsten Herzen und hilft, Lebensfreude zu vervielfachen.

 

06:40 Uhr

 

Verdammt! Der Zeiger ihres Weckers zeigte zehn Minuten nach halb sechs an! Petra war mit einem Schlag hellwach, sprang aus dem Bett, flitzte zum Schrank und zerrte Klamotten aus den Fächern. Sie schlüpfte in Unterwäsche zog einen Pullover über den Kopf. Mit einem Bein in der Hose hopste sie ins Bad, presste Zahnpasta aus der Tube und begann mit einer Hand ihre Zähne zu putzten, während sie mit Hilfe der anderen versuchte ihren Fuß in das zweite Hosenbein zu bekommen. Sie spuckte den Schaum aus, spülte kurz mit Wasser nach, warf Zahnbürste und Becher ins Waschbecken und war bereits auf dem Weg in die Küche. Dort belehrte sie ein Blick auf die Uhr, dass die Zeit nicht mehr reichte um die Kaffeemaschine in Gang zu setzen. Klaus, ihr Mann stand verschlafen in der geöffneten Schlafzimmertür, als sie in den Flur stürmte, um Jacke und Schuhe anzuziehen. „Was machst du so eine Hektik,“, brummte er verschlafen, „wenn du sowieso entlassen bist?“

„Das erzähle ich dir, wenn ich nach Hause komme.“ Petra warf ihm eine Kusshand zu, schnappte den Autoschlüssel vom Haken, öffnete die Wohnungstür und hörte noch wie Klaus rief: „He, wie soll ich ...“ Den Rest des Satzes stoppte das Klicken der hinter ihr ins Schloss fallenden Tür. Zwar waren es zur Arbeit nicht mehr als zweihundert Meter, doch wenn sie pünktlich sein wollte, musste sie das Auto nehmen. Da sie spät dran war, fand sie keinen Parkplatz in der Nähe der Umkleiden, sondern musste den roten VW am Werktor stehen lassen. Egal, sie sprintete zu dem flachen Gebäude, hielt ihre Karte an den Öffner, der summend aufsprang. Spindschloss öffnen. Umziehen. Zeit: weltrekordverdächtig. In Arbeitsschuhen, karierter Hose und weißem Kittel hetzte sie nach dem Umziehen die einhundert Meter zum Produktionsgebäude, zog ein Haarnetz aus dem bereitstehenden Spender und über die Haare und steckte die Stechkarte in den dafür vorgesehenen Schlitz. Die Stechuhr zeigte zwei Minuten nach Sechs an. Dankbar atmete Petra auf. Geschafft!

 

8:30 Uhr

 

Dankbar genoss Hella das lang entbehrte Prozedere: freute sich über kompetente Beratung, Hände die ihr mit kräftigen Bewegungen Schampoo in die Haare massierten, dieses anschließend mit lauwarmem Wasser auspülten und schlanke Finger, die ihre langen Strähnen auf Rollen drehten. Als sie unter der Haube saß bereute sie fast, dass sie sich derart unüberlegt zu dieser törichten Aktion hatte hinreißen lassen. Hella war Ewigkeiten nicht beim Friseur gewesen. Deshalb hatte sie sich gestern spontan entschieden, dass sie eine chicke Frisur brauchte. Die Kosten würden ein Riesenloch in ihre Haushaltkasse reißen und sie war sich keineswegs sicher, dass sie die Stelle bekommen würde, auf die sie sich gestern bei einer privaten Arbeitsvermittlung in Leipzig beworben hatte. Doch als sie mit der Miarbeiterin dort ein Vorstellungsgespräch für den heutigen Nachmittag vereinbart hatte, war der Wunsch in ihr gewachsen, sich dafür hübsch zu machen. Während die aufgetupften Chemikalien ihre Wirkung taten, schloss Hella die Augen und ließ die Gedanken schweifen. Sie war schon lange arbeitslos und hasste den Gedanken, nicht gebraucht zu werden, zu alt, nicht gut genug oder sonst irgendwie verkehrt zu sein, um einen Job zu ergattern. Von einem Amt abhängig zu sein war deprimierend und nie Geld für kleine Extras übrig zu haben ebenfalls. Sie brauchte dringend Arbeit und deshalb hatte sie beschlossen, etwas dafür zu tun, dass sie diese auch bekam.

Nachdem Redunkions- und Fixiermittel lange genug gewirkt hatten, wurden ihre Haare wieder ausgewickelt, nochmals gewaschen und anschließend geschnitten. Hella genoss das Schnippern der Schere, das Gefühl des Kammes, der durch ihre nassen Haare fuhr. Sie sah zu, wie die Friseurin kämmte und schnitt, die Länge einer Strähne mit der vorherigen verglich und konnte die Verwandlung spüren, die mit ihr geschah und dies löste Spannung, Ungeduld und Neugier in ihr aus. Nun begann die junge Frau ihre Haare zu fönen. Schließlich wurden Umhang und Tücher von den Schultern entfernt und sie konnte ihr neues ich im Spiegel betrachten. Wow. Nicht nur ihr Haar war aufgepeppt worden, sondern auch ihr Selbstvertrauen, so dass sie sich der Herausforderung, die vor ihr lag gewachsen fühlte. Sie würde die Arbeit bekommen, daran gab es für Hella keinen Zweifel.

 

Lexikon des Lebens Glück, das

 

Ist oft Belohnung nach Anstrengung, durch Ausschüttung von körpereigenen Hormonen. Endorphine, Oxytocin, Dopamin und Serotonin sind ideale Glücksverstärker. Glücklichmacher sind unter anderem: überrschende Widerbegengnungen mit Freunden, die man aus den Augen verloren hatte, bewältigte Aufgaben, erreichte Ziele, aufbauende Gespräche, Anerkennung und ein Lälcheln, das uns ein unbekannter schenkt. Glück wirkt Stimmungsaufhellend, löst Verspannungen und lindert Depressionen. Es inspiriert Fantasielose, zaubert Zornige freundlich, Gleichgültige neugierig und Geizige freigibig. Glück wird durch eine positive innere Einstellung sowie eigene Bemühungen gefördert, jedoch sind Talent und eigenes Zutun für den Beglückten nicht zwingend erforderlich.

 

9:10 Uhr

 

Es war zu ärgerlich, aber es schien Menschen zu geben, die keine Grenzen kannten. Hatte doch ihre Arbeitskollegin Tina ihr vorhin gesagt, dass sie ins Büro zu Frau Meissner kommen sollte. Voller Hoffnung, dass die Kündigung zurück genommen worden war, hatte sie die Tür geöffnet, aber Frau Meissner hatte sie nur verwundert angesehen und ihr zu verstehen gegeben, dass hier ein Vesehen vorlag. Enttäuschung breitete sich schmerzend wie eine ansteckende Krankheit in ihr aus und als sie in Tinas höhnisches Grinsen blickte und diese dazu noch April, April“ rief, konnte Petra sich gerade so beherrschen nicht loszuweinen und schlich mutlos an ihren Platz zurück. Stur richtete Petra ihren Blick auf die Pralinenkästchen, an denen Pfalze nach innen gedrückt werden mussten, damit diese nicht nach oben standen, wenn beim nächsten Arbeitsgang die Manschine den Deckel schloss und zuklebte. Ihre Arbeitskollegin Erika, beschwerte sich lauthals über die Vorzugsbehandlung, die Männer in der Produktion erfuhren. Nicht nur, dass die Herren der Schöpfung sich die besten Arbeiten aussuchen konnten, sie wechselten auch nicht nach jeder Stunde den Arbeisplatz und mussten am Freitag auch nicht bei der Reinigung der Maschinen und Bänder helfen, und um allem die Krone aufzusetzen, erhielten sie auch noch mehr Geld, als die Frauen. Petra wusste nicht, woher Erika diese Informationen hatte, denn niemand hier redete über Lohnzahlungen, aber der Buschfunk schien trotzdem zu funkionieren. Irgendwann bemerkte Erika Petras Schweigen und fragte was los war. Oh je, gegen Gemeinheiten konnte Petra sich wappnen, aber Anteilnahme war einfach zu viel für sie. Lang zurück gehaltene Tränen liefen an ihrer Nase vorbei, tropften von ihrem Kinn und schiefend erzählte sie Erika, wie Tina sie in den April geschickt hatte.

„Lass Tina doch reden und mach dir nichts draus!“ riet Erika.

„Ach, du hast leicht reden. Mein Mann hat vor einem Monat seine Arbeit verloren. Ich werde jetzt arbeitslos und war überglücklich, als ich geglaubt habe, dass ich weiter arbeiten kann.“ Mit einer abrupten Gebärde wischte Petra sich die Tränen vom Gesicht, entschied jedoch dann, ihr Taschentuch zu Hilfe zu nehmen. „Wir haben zwei Kinder, denen ich erklären muss, dass wir sparen müssen. Kevin braucht neue Schuhe und Erik wünscht sich ein neues Fahrrad. Kein Geld zu haben ist echt nicht toll.“ Petra stopfte ihr Taschentur wieder in die Kitteltasche und machte sich erneut über die Pfalze der Pralinenschachteln her.

Erika seufzte und erwiderte: „Du hast ja recht und ich kann dich verstehen, denn mir geht es genauso. Keine Arbeit zu haben ist doof. Es ist ja nicht nur das Geld, das fehlt.“ Sie redeten noch eine Weile darüber, dass sie ihre Kolleginnen, die Gespräche mit ihnen und das Selbstvertrauen, dass die Arbeit ihnen gab, vermissen würden. Petra fühlte sich seltsamerweise durch das Gespräch mit Erika getröstet und verstanden. Zu ihrer Verwunderung war sie fast glücklich als eine Kollegin nach einer Stunde zur Ablösung kam und Petra an den nächsten Arbeitsplatz wechselte.

 

10:20 Uhr

 

Hella konnte es nicht fassen. Ihre Zuversicht hatte sich zunächst in Unglaube und danach in Empörung verwandelt. Wegen einer vierzehntägigen Urlaubsvertretung hatte sie auf Wolken geschwebt nun war nun wieder auf dem harten Boden des Arbeitsmarktes gelandet. Mit Freude hatte sie das Summen des Türöffners gehört, hatte den Fahrstuhl ignriert und war zwei Stockwerke die Treppe hinaufgestürmt. Die Mitarbeiterin, die sie begrüßte, hatte ihr ein Klemmbrett mit Fragebogen und Kugelschreiber ausgehändigt und Hella hatte ausgefüllt und angekreuzt und sich auf das anschließende Gespräch vorbereitet. Eine andere Mitarbeiterin, die sich als Frau Albrecht vorgestellte, hatte sie danach in ihr Büro gebeten.

Frau Albrecht wies auf einen Stuhl vor ihrem Schreibtisch und sagte nach der Begrüßung: „Ich freue mich, dass ich ihnen für vierzehn Tage eine Tätigkeit als Rechtsanwaltsfachangestellte anbieten kann. Herr Rechtsanwalt Tiefenbach sucht eine Urlaubsvertretung für seine Seketärin.“ Als sie Hellas entsetzten Gesichtsausdruck bemerkte, fragte sie: „Ach, hatten wir das in der Anzeige nicht geschrieben?“ und als Hella den Kopf schüttelte, dass ihre neuerworbenen Locken wippten, erklärte sie: „Das hat unsere Kollegin dieses Mal wahrscheinlich nicht getan, weil sich auf eine vorherige Anzeige keine Bewerber gemeldet haben.“ Frau Albrecht blätterte die Liste durch und bat: „Frau Neumann, sie haben seit einigen Jahren nicht mehr in diesem Beruf gearbeitet und noch nicht viel Berufserfahrung. Sehen sie es als Chance wieder in den Beruf zu finden.“ Hella, die außer ihrem Namen noch nichts gesagt hatte und sich fühlte, als hätte jemand ihr eine Schachtel Pralinen unter die Nase gehalten und diese wieder geschlossen, bevor sie hineingreifen und sich eines der süßen Teilchen nehmen konnte, begann zu überlegen. Vierzehn Tage waren nicht viel, aber vielleicht konnte die Zeitarbeitsfirma sie danach zu einem anderen Rechsanwalt schicken. Oder sie konnte sich bei anderen Zeitarbeitsfirmen bewerben. Oder. Vieleicht. Sie fragte. Frau Albrecht konnte ihr nichts versprechen, wies jedoch darauf hin, dass es vielleicht von Vorteil war, wenn das Arbeitsverhältnis nach zwei Wochen beendet war. Vieleicht mochte sie den Anwalt ja nicht, oder die Arbeit sagte ihr nicht zu. Noch ein Oder. Noch ein Vielleicht. Als Hella am Ende den Arbeitsvertrag unterschrieb, spürte sie ein klitzekleines Glücksgefühl und Aufregung in sich aufsteigen. Frau Albrecht würde mit der Kanzlei telefonieren und sie anküdigen und Hella würde hinfahren, um sich vorstellen. In der kommenden Woche sollte sie zwei Tage probearbeiten, damit sie in der Folgewoche das Büro übernehmen konnte. Sie wusste nicht, ob oder wie es weiterging, aber erst einmal hatte sie den Job.

 

Lexikon des Lebens Lächeln, das

 

Gesichtsausdruck, der durch Spannung der mimischen Gesichtsmuskulatur in der Nähe der Mundwinkel und beim echten Lächeln auch um die Auge erzeugt wird. Es ist angeboren, vollkommen kostenlos und muss nicht versteuert werden. Kein Mensch ist zu arm, um es geben und niemand zu reich, um es nicht empfangen zu können. Lächeln kann Audruck von Liebe, Freude, Hilflosigkeit, Unsicherheit, und Schadenfreude sein. Lächeln ist international verständlich und wird daher überall auf der Welt zum Erlangen von Sympathie eingesetzt. Es hilft Streit zu entschärfen und vermag unter Umständen einen solchen zu verhindern. Lächeln ist ansteckend und somit ein Weg, Fröhlichkeit, Wohlbefinden und Zuneigung zu übertragen.

 

17:43 Uhr

 

Petra war mit ihren Söhnen auf dem Weg in den Supermarkt, um fürs Wochenende einzukaufen. Nach der Arbeit hatte sie zusammen mit Klaus die Jungen aus dem Kindergarten abgeholt. Kevin und Erik waren ihnen freudestrahlend entgegengelaufen.

„Können wir Eis essen gehen?“ fragte Kevin, das Leckermaul.

„Lenny hat gesagt, dass er ein ferngesteuertes Feuerwehrboot bekommen hat. Ich will auch eins.“ verkündete Erik.

Beide Jungen hatten sie und Klaus erwartungsvoll angesehn. Petra tat es weh, ihnen sagen zu müssen, dass sie sich solche Ausgeben in der nächsten Zeit nicht leisten konnten.

Um den Kummer ihrer Söhne zu kompensieren hatte sie ihnen angeboten, sie zum Einkauf mitzunehmen und dass sie sich eine Kleinigkeit aus dem Süßwarenregal aussuchen durften. Nun quälte sie sich mit ihrem quengelnden Nachwuchs auf dem Rücksitz schrittweise durch einen Stau. Wieso hatte sie nicht daran gedacht, dass Freitags, dreiviertelsechs die Hölle los war? Hin und wieder sah sie in die glangweilten, gestressten oder zornigen Gesichter der ihr entgegen kommenden Fahrer. Niemand sah zu ihr herüber. Sie fuhr an. Sie bremste. Sie hielt. Die Bremslichter des vor ihr fahrenden Autos erloschen und alles wiederholte sich zum X-ten Mal. Sie fuhr an. Sie bremste. Sie hielt. Gott sei dank tauchte vor ihr endlich das Logo des Supermarktes auf. Wieder rollte die Blechkarawane im Schritttempo einge Meter weiter und als sie dieses Mal in das ihr gegenüber haltende Fahrzeug blickte stutzte sie. Die Frau darin, zappelte! Bewegte zuckend Kopf, Gliedmaßen und Rumpf, als würde sie tanzen. Petra kicherte, ihr war, als könnte sie die Melodie hören, nach der ihr Gegenüber sich rhythmisch bewegte. Und dann ging das Licht an. Strahlend hell - für sie jedenfalls. Die junge Frau hatte ihren Blick bemerkt, winkte zu ihr herüber und schenkte ihr ein stahlendes Lächeln. Petra hob ihre Faust mit dem Daumen nach oben und lächelte zurück.

 

17:43 Uhr

 

Hella war hungrig und müde von ihrem Vorstellungsgespräch nach Hause zurückgekehrt, hatte begonnen Sachen zu packen und diese in ihr Auto geladen. Ihr Freund wohnte 70 Kilometer entfernt und sie sahen sich nur am Wochenende. Entweder fuhr sie zu ihm oder er kam zu ihr. Sie war spät dran, aber darauf nahmen weder eine neu ausgewiesene Umleitung und erst recht der Stau der sich dadurch bildete, keine Rücksicht. Es ging nur schrittweise voran. Sie fuhr an. Sie bremste. Sie hielt. Es nervte. Hella beugte sich nach vorn um zu sehen, wie weit es noch bis zur Kreuzung war. „Ach was solls,“ dachte sie „warum soll ich mir die Laune vermiesen lassen?“ Frust würde die Fahrt nicht um eine Sekunke verkürzen und nicht das geringste daran ändern, dass sie heute viel später, als erwartet in Zeitz ankommen würde. Als Dick Braves Sommeroldie „Take Core of my Baby“ aus dem Radio tönte, drehte sie die Lautstärke hoch. Hella begann mitzuträllern und auf ihrem Sitz zu tanzen, bewegte Po, schlenkerte Arme und Hände, schob ihre Schultern nach vorn und zurück. Die Bewegung tat Hella gut und hob ihre Stimmung beträchtlich. Ihr Kopf drehte sich wie von selbst nach rechts dann nach links und … Au weia! Was musste sie für einen ulkigen Eindruck bieten. Augen, groß wie Untertassen fingen ihren Blick ein. Hella winkte und begegnete dieser Verwunderung mit einem fröhliches Lachen. Und dann wurde der düstere Abend von einem Sonnenstrahl erhellt, denn die Frau vis a vis im roten VW imitierte ihre Bewegungen, grüßte mit herhobenem Daumen und lächelte zurück.

Petra und Hella haben sich nie kenengelernt. Die eine fuhr zum Supermarkt und die andere zu ihrem Freund. Doch beide würden diesen Tag niemals vergessen, weil das Lächeln, dass sie sich gegenseitig schenkten ihen ein tröstliches Gefühl von Leichtigkeit, Gemeinsamkeit und Frohsinn vermittelte. Die Botschaft: Du bist nicht allein, war angekommen. Also, tu es Petra und Hella nach, schenke Deinen Mitmenschen ein Lächeln, denn: Lache in die Welt und die Welt lächelt zurück!