Freunde

FREUNDE

 

Unter dem großen Busch am Feldrain, gleich neben der gelben Butterblume befindet sich der Eingang zu einem Hasenbau. Der Hasenbau ist das Zuhause der Familie Hoppelpoppel. Pst, wenn Du ganz leise bist kannst du es rascheln hören. Mit seinen Eltern, den beiden alten Hasen Gerlinde und Paul Hoppelpoppel und seinen vier Geschwistern, Pauline, Alexandra, Kurt und Lenny lebt hier das Hasenmädchen Gundula. Mit diesem Namen, wird es aber nur gerufen, wenn Mama oder Papa Hase ärgerlich auf es sind. Das kommt allerdings sehr selten vor, weil Gundula ein sehr braves Hasenmädchen ist und deshalb wird es von allen liebevoll „Gundel“ gerufen.

Gundel Hoppelpoppel hat eine Eigenschaft, die sie nicht sehr von anderen Hasenkindern unterscheidet und auch nicht von Menschenkindern, wenn diese gesund und munter sind- sie ist neugierig. Neugierig, auf das Leben und auf die Sonnenstrahlen, die auf den Wellen des Bächleins reiten. An jeder Blume will sie schnuppern, alles um sich herum will sie entdecken und oft mahnt Mutti Hase, dass sie sich auf ihren Entdeckungsstouren nicht so weit vom Bau entfernen soll, weil für kleine Häschen überall Gefahren lauern.

An einem wunderschönen Sommertag, voller Lärchenträller und warmem Sonnenschein war Gundel neugierig zum nahen Dorf gehoppelt, denn in einem der Gärten wuchsen die schönsten Blumen, die weit und breit zu finden waren. Gundula hatte sich verzaubern lassen. Zu verführerisch waren die vielen bunten Farben, zu verführerisch die vielen Düfte. Gundula hatte sich und die Welt um sich herum vergessen und an keine Gefahr mehr gedacht. Wie sehr war das Häschen erschrocken, als es hinter sich plötzlich ein tiefes Knurren hörte. Bauer Grundmanns Schäferhündin Luci hatte sich ganz dicht an sie herangeschlichen, um gleich zuzuschnappen. Ein Hasenbraten verirrte sich schließlich nicht alle Tage in Nachbars Garten. Gundel hatte nicht lange überlegt und der Gierigen mit ihren kräftigen Läufen einige Erdklumpen entgegen geschleudert und war so schnell es ging davon gehoppelt.

Ganz allein sitzt das Hasenmädchen nun am Bachufer und lässt traurig seine schönen, langen flauschigen Ohren hängen. Ganz toll hat die Mutti mit ihm geschimpft und auch die Geschwister wollen nichts mehr von ihm wissen, weil es so leichtsinnig gewesen war. Ich bin so allein und habe überhaupt keine Freunde mehr, denkt Gundula und fühlt sich sehr einsam. Da hört sie plötzlich eine leise Stimme. Woher kommt sie nur? „Hallo, ich bin es“ plätschert der Bach. „Ich möchte dein Freund sein. Ich springe über Stock und Stein und wenn du ganz still bist, kannst du mein Lied hören.“ Da lauscht das Hasenmädchen Gundula auf das Rauschen des Baches und fühlt sich schon ein ganz kleines bisschen getröstet.

„Auch ich möchte dein Freund sein, kleiner Hase“, wispert jemand an seinem Ohr. Ich bin der Sonnenstrahl und wenn du achtgibst, spürst du, wie ich dich wärme. Und Gundel schließt die Augen und bemerkt, wie jemand sie ganz sanft an ihrer Nase kitzelt, an ihren Ohren zupft und ihr Fellchen wärmt. Das Hasenmädchen Gundula fühlt sich geborgen und ist nun noch eine winzige Kleinigkeit glücklicher.

„Lass auch mich dein Freund sein“ summt es neben ihr und als Gundula die Augen öffnet sieht sie vor sich eine kleine Biene mit zarten durchsichtigen Flügeln, die einen hübschen, schwarz-gelb gestreiften Pullover trägt „Ich habe dir einen Becher Honig aus unserem Lager mitgebracht, probiere nur wie gut er schmeckt!“ „Danke“, sagt das Häschen, taucht seine Vorderpfote tief in den Honigtopf und als es die süße Köstlichkeit abschleckt, ist es gleich noch ein wenig mehr glücklich.

„Kling, kling, kling“ neugierig blickt Gundel, das Hasenmädchen in die Richtung, aus der das Bimmeln kommt. „Bim, bim, bim, wozu sind Freunde da?“, sagt eine große Glockenblume, mit vielen hellblauen Glockenblüten, die in einem Grasbüschel am Baumstamm blüht. „Komm, und schnuppere an meinen Blüten und du wirst dich gleich noch viel wohler fühlen“ Und Gundula schnuppert den feinen Duft, der den Glockenblumenkelchen entströmt und vergisst dabei ihren Kummer fast ganz.

„Ich möchte der Sechste in eurer Runde sein“, knarzt da der dicke, alte Ast am Baum, der schon lange abgestorben ist und sich seitdem ziemlich nutzlos fühlt. „Was kannst du denn?“ fragt verwundert das Häschen „Du kannst eine Schaukel an mir befestigen“ brummt der Ast zurück. Gleich beginnt Gundel aus Gras zwei Seile zu flechten und ihre Geschwister kommen und helfen ihr dabei. Dann machen sie an die Seile zwei Schlingen und legen ein Brett hinein. Darauf setzen sich die fünf Hasenkinder. Der Wind schiebt sie an und pustet sie fast bis in die Wolken hinauf. Kreischend und lachend, halten sich die Geschwister umschlungen, um nicht herunter zu fallen. Und als alle Hasenkinder müde vom Spielen nach Hause kommen, umarmt Hasenmutti Gerlinde alle ihre Rangen, ihr Hasenkind Gundula aber ganz besonders fest und flüstert ihm ins Ohr: „ich hab dich ganz toll lieb.“

An diesem Abend schläft das Hasenmädchen Gundel sehr, sehr glücklich ein.

 

 

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