Die blaue Stunde

 

DIE BLAUE STUNDE

 

Wenn Fotografen in der Dunkelheit Aufnahmen schaffen wollen, Landschaftsfotos etwa, auf denen der Umriss eines Baumes vor dem Sternenhimmel dargestellt werden soll, dann wählen sie hierzu die blaue Stunde. Die blaue Stunde ist die Zeit, in der die Dämmerung langsam der Nacht weicht, der Himmel sich jedoch noch nicht völlig schwarz sondern tief dunkelblau über der Erde wölbt. Die blaue Stunde ist jedoch nicht nur ideal für stimmungsvolle Nachtaufnahmen, sondern gerade im Hochsommer eine Zeit, die ich besonders mag. In langen lauen Nächten ist es warm genug um noch im Garten sitzen zu können und bei Kerzenschein mit einem Freund zu plaudern - oder der Phantasie freien Lauf zu lassen. Konturen verschwimmen in der Dunkelheit, die den Gedanken Flügel verleiht. Wie unruhige Geister, die es an keinem Ort lange hält, flattern sie mal in diese Richtung, mal in jene, kichernd schlagen sie gewagte Kapriolen, fliegen zurück in längst vergangene Zeiten oder weit voraus, indessen der Körper mit der Erde verbunden bleibt und ihnen nicht folgen kann. Während die Augen ausruhen, schärfen sich die übrigen Sinne, vor allem Geräusche werden bedeutungsvoller. Fledermäuse gleiten fast lautlos durch die Dunkelheit, ein Käuzchen ruft und schnaufend stromert ein Igel durchs Gebüsch, auf der Suche nach Nahrung, ich aber gehe an einen geschützten Ort, welcher, außer mir, niemandem sonst zugänglich ist.

 

 


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