Frohes Fest?

Weihnachten ist für mich ein ganz besonderes Fest - das schönste vom ganzen Jahr. Weihnachten gibt es immer ganz besondere Überraschungen: Adventskalender, Weihnachtslieder und Geschichten, Weihnachtsplätzchen, duftende Räucherkerzen und die Schatten der Pyramidnflügel, die sich an der Zimmerdecke viel schneller drehen, als die der Pyramide auf dem Tisch. Besondes gern erinnere ich mich daran, wie ich als Kind staunend in die leuchtenden Kerzen geschaut habe und wie Mutti und Oma mit ihrer hohen zittrigen Stimme Weihnachtslieder mit uns Kindern sangen. Die vielen Düfte, das Früchtebrot, das Mutti buk und unser Beisammensein haben dieses Fest zu etwas Besonderem gemacht und obwohl ich nicht gläubig bin, hat die Weihnachtsgeschichte bis heute nichts von ihrer Vertrautheit und ihrem Glanz verloren. 

Ein Bericht im Fernsehen über Krieg, hungernde Kinder und flüchtende Menschen hat mich sehr betroffen und nachdenklich gemacht. Zwischendrin wird abgeblendet, es kommt Schampoowerbung, nette junge Menschen, deren größte Sorge es ist, dass ihre Pralinen nicht alle werden und immer Nachschub im Schrank ist, Frauen, deren Lebensinhalt darin zu bestehen scheint das beste Waschmittel aller Zeiten herauszufinden und Männer, denen ihr Auto nicht groß und schnell genug sein kann. Wenn ich durch die Kaufhäuser laufe und mir all die Leckereien und schönen Dinge in den Regalen ansehe bekomme ich ein schlechtes Gewissen. Wer mag all die Sachen so billig herstellen? Dann fallen mir Reportagen ein von Kindern die für einen Hungerlohn sechszehn Stunden täglich am Webstuhl arbeiten müssen. Ob diese Kinder auch so ein schönes Weihnachtsfest feiern wie ich? Ich glaube nicht und das macht mich traurig. Dann merke ich aber auch wieder, wie gut es mir geht. Ich lerne wieder, an den Schönen Dingen des Lebens nicht achtlos vorbei zu gehen und mich auch an Kleinigkeiten zu freuen und sie mit Dankbarkeit anzunehmen. Manchmal, wenn Menschen um mich herum das Weihnachtsfest langweilig finden oder über jede Kleinigkeit meckern, möchte ich ihnen am liebsten sagen, dass sie das Staunen nicht verlernen sollen. Lasst nicht alles im Leben zur Selbstverständlichkeit werden, dann werdet ihr auch den Zauber des Weihnachtsfestes neu für euch entdecken. 

Diesen Text habe ich vor mehr als fünfundzwanzig Jahren verfasst und er ist aktueller,  als je zuvor.

 

Ich wünsche Dir eine schöne Zeit.